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Neues an der Universtitaet Würzburg

Empathie auf dem Prüfstand

In welcher Hand hält Thorsten Erle die Tasse? Die richtige Antwort erfordert einen Perspektivenwechsel, der wiederum in vielen Fällen Empathie erzeugt. (Foto: Uni Würzburg)

Wer es sich leicht vorstellen kann, die Umgebung durch die Augen eines anderen zu sehen, ist auch eher zu Empathie fähig. Das zeigen Experimente von Würzburger Sozialpsychologen.

Thorsten Erle nimmt eine Tasse und hält sie vor sich hin. „In welcher Hand habe ich sie?“ „Rechts!“ Stimmt genau. Um zur richtigen Antwort zu kommen, hat sich sein Gegenüber gedanklich in Erles Körper hineinversetzt, hat durch seine Augen gesehen und die rechte Hand Erles als die identifiziert, die die Tasse hält.

Diese Fähigkeit zur Perspektivenübernahme hat große Auswirkungen darauf, in welchem Maß ein Mensch auch die Gedanken einer anderen Person akzeptiert. Inwieweit er zur Empathie fähig ist, also zum „Mit-Fühlen“ mit anderen. Das hat Erle, Psychologe an der Universität Würzburg, zusammen mit Sascha Topolinski in einer Studie gezeigt.

„Buch-Banane-Test“ am Computer absolviert

Die Wissenschaftler ließen mehr als 1000 Menschen ein einfaches Experiment am Computer durchlaufen: Die Probanden sahen gegenüber von sich an einem runden Tisch eine Person sitzen, vor der eine Banane und ein Buch lagen. Gleich würde die Person auf dem Bildschirm eines der Objekte greifen, entweder die Banane oder das Buch.

Je nachdem, ob sie das mit der linken oder der rechten Hand tat, mussten die Testpersonen reagieren und ebenfalls mit der rechten oder der linken Hand eine Taste drücken. Es ging also darum, die visuelle Perspektive der Person zu übernehmen. Dabei waren die Probanden mal langsamer, mal schneller. Mal lagen sie richtig, manchmal falsch.

Diese Übung war aber nur der Auftakt zum Test. Im Anschluss erschienen auf dem Bildschirm Fragen, und die Person gab Antworten darauf. Beispiel: „Wann war Einstein das erste Mal in den USA?“ Darauf antwortete die unbekannte Person: „1939.“ Jetzt waren die Probanden an der Reihe. Manche siedelten Einsteins USA-Zeit (die dauerte von 1932 bis 1955) im 19. Jahrhundert an. Wieder andere waren sehr nah an der vom Computer präsentierten Antwort der Person.

Seite an Seite statt von Angesicht zu Angesicht

Die Situation änderte sich, wenn sich die Probanden vorher nicht in die Person auf dem Bildschirm hineinversetzen mussten. So gab es auch Versuchsrunden, in denen die Person den Betrachtern nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersaß, sondern sich auf derselben Seite des Tischs befand. Hier war also keine Perspektivenübernahme nötig.

Wieder wurde mitgeteilt, dass die Person entweder nach der Banane oder dem Buch greifen würde. Wieder musste die Taste für „rechts“ oder „links“ gedrückt werden. Neuerlich erschienen Fragen, etwa die: „Wie hoch ist der Kölner Dom?“ Aber diesmal fielen die Antworten drastisch anders aus: Sie waren viel weiter entfernt von dem, was die Person glaubte.

Empathie-Training als mögliche Anwendung

Aus diesen Befunden zieht Thorsten Erle den Schluss, dass die visuelle und die psychologische Übernahme einer fremden Perspektive zusammenhängen. „Wer sich rein visuell leichter in eine andere Person hineinversetzen kann, ist auch stärker zu Empathie fähig“, so der 31-jährige Sozialpsychologe.

Was der promovierte Wissenschaftler als nächstes herausfinden will? Ob es möglich ist, Mitgefühl zu trainieren – womöglich gewinnen ja Menschen, die viele Male den „Buch-Banane-Test“ durchlaufen, generell an empathischer Kompetenz. „Aber diese Anwendung in der Praxis bleibt vorerst noch Zukunftsmusik“, sagt Erle.

Mit seinen Forschungen liegt der Sozialpsychologe im Trend: Die Fähigkeit zu erleben, was ein anderer gerade fühlt, gilt als wichtige soziale Kompetenz. Vor allem Führungskräfte haben das Thema für sich entdeckt. In Seminaren versuchen sie, ihre empathischen Fähigkeiten trainieren, um bei Konflikten schneller zu Lösungen zu kommen.

“The grounded nature of psychological perspective-taking”. Erle, Thorsten M.; Topolinski, Sascha. Journal of Personality and Social Psychology, Vol 112(5), May 2017, 683-695. http://dx.doi.org/10.1037/pspa0000081

Kontakt

Dr. Thorsten Erle, Institut für Psychologie der Universität Würzburg, T +49 931 31-85955, thorsten.erle@psychologie.uni-wuerzburg.de

Wissenschaft ist unverzichtbar

„Veritati“ – der Wahrheit hat sich die Universität Würzburg verpflichtet. Aus diesem Grund unterstützt die Universitätsleitung den March for Science.

Am 22. April demonstrieren weltweit Menschen für die Freiheit der Wissenschaften. Auch die Universität Würzburg unterstützt den „March for Science“.

Die Erforschung unserer Welt, die Einordnung, Analyse und Weiterverwertung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt. Um die Rolle der Wissenschaft als unverzichtbaren Teil unserer offenen und demokratischen Gesellschaft zu stärken und gegen Angriffe auf die Freiheit der Wissenschaften zu protestieren, gibt es den „March for Science“. Weltweit werden in mehr als 500 Städten am 22. April 2017 hunderttausende Menschen auf die Straßen gehen.

Die Universität Würzburg begrüßt und unterstützt den „March for Science“ und ruft ihre Mitglieder sowie Bürgerinnen und Bürger auf, sich aktiv daran zu beteiligen. „Nicht nur unser Land lebt von Wissenschaft, Forschung und Technologie und der dazugehörigen Ausbildung. Auch das Funktionieren unsere Gesellschaft ist davon abhängig, dass wissenschaftlich fundierte Fakten die Grundlage eines Diskurses bilden. Für die Universität Würzburg hat Rektor Hermann Schell die allzeit gültige Verpflichtung ‚Veritati‘ Ende des 19. Jahrhunderts weithin sichtbar an unserem Hauptgebäude anbringen lassen“, so Universitätspräsident Alfred Forchel.

Der „March for Science“ ist eine Reaktion auf die Beobachtung, dass wissenschaftlich erwiesene Tatsachen immer häufiger im politischen und gesellschaftlichen Kontext geleugnet und relativiert werden. Wenn Populismus, „Fake News“ und „gefühlte Wahrheiten“ fundierte Forschung bedrohen, habe das Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, so die Organisatoren. Solche Einstellungen entziehen einem konstruktiven Dialog die Basis – dabei sei dieser eine elementare Grundlage der Demokratie.

Kundgebungen in Deutschland

Auch in Deutschland wird es Märsche für die Wissenschaft geben, die von ehrenamtlichen Teams organisiert werden; geplant sind sie in mehr als einem Dutzend Städte.

In Bayern ist ein Science-March in München geplant. Er startet um 10.30 Uhr am Karlsplatz (Stachus). Die von Würzburg aus gesehen nächstgelegene Kundgebung findet in Frankfurt statt. Dort ist Auftakt um 13:00 Uhr an der Bockenheimer Warte.

Mehr Informationen zu Kundgebungen in Deutschland gibt es hier

 

 

Dionaea: Wie die Verdauung in Gang kommt

Venusfliegenfalle: Die Innenseite der Fallen ist mit roten Drüsen bestückt (a), die nach dem Beutefang wie ein pflanzlicher „Magen“ funktionieren. Dabei entlassen die Drüsen ein Verdauungssekret. Diese Sekretion konnte erstmals auf Vesikel-Ebene an Pflanzen gezeigt werden (b). Die modellhafte Darstellung (c) zeigt, dass aktivierte Drüsen Kalzium (Ca2+) aufnehmen, was die Jasmonat-Signalkette in Gang setzt und zur Sekretion von Salzsäure (HCl) und Verdauungsenzymen führt. (Bild: Sönke Scherzer/Dirk Becker)

Die Venusfliegenfalle verdaut ihre Opfer mit einem Sekret aus speziellen Drüsen. Erstmals hat jetzt ein Forschungsteam die Tätigkeit dieser Drüsen gemessen und im Detail analysiert.

Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) gehört zu den Pflanzen, die sich von Tieren ernähren. Mit ihren Klappfallen fängt sie Insekten, mit einem Verdauungssekret aus Drüsenzellen löst sie ihre Beute auf und verleibt sich die freigesetzten Nährstoffe ein.

Die Absonderung eines Verdauungssaftes aus Drüsen ist schon seit Darwins Zeiten als Tatsache gesetzt. Doch gemessen und analysiert wurde dieser Vorgang erst jetzt: Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Biophysikers Rainer Hedrich von der Universität Würzburg stellt die Ergebnisse im Journal PNAS vor.

Versucht ein Beutetier, aus der geschlossenen Falle der Pflanze zu entkommen, berührt es zwangsläufig die Sinneshaare, die sich in der Falle befinden. Jeder mechanische Kontakt mit den Haaren löst ein elektrisches Signal aus, das sich wellenförmig über die Falle ausbreitet. Ab dem dritten Signal bildet die Pflanze das Hormon Jasmonat, nach dem fünften Signal werden ihre Verdauungsdrüsen aktiviert, die die Innenseite der Fallen wie ein dichter Rasen auskleiden.

Zersetzend: Drüsen geben salzsäurehaltige Vesikel ab

Was passiert dann in den Drüsenzellen? Sie bilden immer mehr membranumhüllte, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen (sekretorische Vesikel) und geben deren Inhalt nach außen ab. Das passiert nach einer mechanischen Reizung der Sinneshaare, aber auch dann, wenn man die Drüsen mit dem Hormon Jasmonat in Kontakt bringt. Der gesamte Prozess ist abhängig von Kalzium und wird von einer Reihe bestimmter Proteine in die richtige Bahn gelenkt.

In den Drüsenzellen werden außerdem Gene aktiviert: „Wir gehen davon aus, dass sie für die Beladung der Vesikel mit Protonen und Chlorid sorgen, also mit Salzsäure“, erklärt Hedrich: „Mit ionensensitiven Elektroden haben wir gemessen, dass wiederholte Berührungen der Sinneshaare den Einstrom von Kalzium-Ionen in die Drüse auslösen. Durch den Anstieg des Kalzium-Spiegels im Zellplasma fusionieren die Vesikel mit der Plasmamembran, ähnlich wie man das von der Neurotransmitter-Sekretion von Nervenzellen kennt. Dem Kalziumeinstrom folgt mit zeitlicher Verzögerung der Ausstrom von Protonen und Chlorid.“

Aufschlussreich: Analysen mit Kohlefaser-Elektroden

Was enthalten die Drüsenvesikel noch? Das wurde mit Kohlefaser-Elektroden analysiert, und zwar in Kooperation mit dem Nobelpreisträger Erwin Neher (Göttingen), der mit solchen Elektroden große Erfahrung hat. Mit ihm passte der Würzburger Forscher Sönke Scherzer das Messverfahren auf die pflanzlichen Verhältnisse in der Fliegenfalle an.

Das Team brachte eine Kohlefaser-Elektrode über der Drüsenoberfläche in Stellung und wartete gespannt, was passiert. „Zuerst waren wir enttäuscht, weil wir nicht gleich Signale fanden, wie man sie von sekretorischen Zellen bei Mensch und Tier kennt“, so Scherzer.

Sollten die Vesikel in den ersten Stunden nach dem Beutefang zwar Salzsäure enthalten, aber noch keine Verdauungsenzyme? Und noch keine Moleküle, die das Funktionieren der Enzyme in der sauren Umgebung sicherstellen? Muss all das erst hergestellt werden?

Genauso ist es: Die Bildung der Enzyme, die das Fleisch der Beute auflösen, kam erst nach mehreren Stunden in Gang, fand die Molekularbiologin Ines Fuchs heraus. Die ersten charakteristischen Signale traten nach sechs Stunden auf und waren 24 Stunden später in vollem Gange. In dieser Phase ist die Falle dann komplett sauer und reich an Verdauungsenzymen.

Stabilisierend: Glutathion hält Enzyme fit

Professor Heinz Rennenberg (Freiburg) fand im Sekret zudem Glutathion (GSH). Dieses Molekül hält die Enzyme in der sauren Umgebung der Venusfalle funktionell.

Die beschriebenen Prozesse laufen identisch und in derselben zeitlichen Abfolge ab, wenn man die Sinneshaare der Falle reizt oder wenn man einfach nur das Hormon Jasmonat auf die Falle einwirken lässt. „Eine Berührung aktiviert sehr rasch die Jasmonat-Signalkette, aber die von dem Hormon vermittelte Herstellung der Vesikel und ihre Beladung mit der richtigen Fracht braucht dann ihre Zeit“, so Hedrich.

Grundlegend: Ohne Kalzium geht es nicht

Wie die Venusfalle ihren „grünen Magen“ mit der richtigen Mischung flutet und das Beutetier in seine Nährstoffbestandteile zerlegt, lässt sich mit der Technik der Magnetresonanz-Spektroskopie (MRT) zeigen. Dafür war Eberhard Munz vom MRT-Zentrum des Würzburger Physikalischen Instituts zuständig.

Seine Experimente zeigten auch: Blockiert man den Einstrom von Kalzium in die Drüsen, bleibt die Falle trocken. „Ohne die Kalzium-Aktivierung der Drüsenzellen geht es eben nicht“, sagt Hedrich. „Wir werden uns daher die Biologie der Kalzium-Kanäle bei der Venusfliegenfalle jetzt näher anschauen. Dabei wollen wir auch den Mechanismus untersuchen, über den die von den Sinneshaaren ausgesandten Signale in der Drüse gezählt und in jasmonatabhängige Biologie übersetzt werden.“

„Insect haptoelectrical stimulation of Venus flytrap triggers exocytosis in gland cells”, Sönke Scherzer, Lana Shabala, Benjamin Hedrich, Jörg Fromm, Hubert Bauer, Eberhard Munz, Peter Jakob, Khaled A. S. Al-Rascheid, Ines Kreuzer, Dirk Becker, Monika Eiblmeier, Heinz Rennenberg, Sergey Shabala, Malcolm Bennett, Erwin Neher, and Rainer Hedrich. PNAS, 18. April 2017, DOI 10.1073/pnas.1701860114

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Hedrich, Lehrstuhl für Botanik I (Pflanzenphysiologie und Biophysik), Universität Würzburg, T (0931) 31-86100, hedrich@botanik.uni-wuerzburg.de

Website von Prof. Rainer Hedrich

Erneuter ERC-Grant für Laurens Molenkamp

Professor Laurens Molenkamp mit einigen der zahlreichen Preisurkunden, die er in den vergangenen Jahren erhalten hat. (Foto: Jasper Molenkamp)

Spitzenforschung zahlt sich aus: Nach 2011 bekommt Physik-Professor Laurens Molenkamp jetzt zum zweiten Mal einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Preis vom Europäischen Forschungsrat.

Mit seinen Advanced Grants zeichnet der Europäische Forschungsrat (ERC, European Research Council) exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die sich mit herausragenden Leistungen in der Forschungscommunity etabliert haben. Die Preise sind mit jeweils 2,5 Millionen Euro dotiert. Das Geld dient dazu, innovative Projekte voranzubringen.

Laurens Molenkamp, Professor am Physikalischen Institut der Universität Würzburg, erhält nun schon zum zweiten Mal diese begehrte Auszeichnung.

Den Würzburger Professor darf man zweifellos zur Riege der etablierten Spitzenforscher zählen: In seinem Labor gelang 2007 die Entdeckung des Quanten-Spin-Hall-Effekts. Molenkamp war außerdem der erste, der die neue Materialklasse der topologischen Isolatoren experimentell realisieren konnte. Seit seinem Durchbruch wird auf diesem Gebiet weltweit intensiv geforscht.

Von topologischen Isolatoren erwarten Fachleute große Fortschritte in der Informationstechnik: Mit diesem Material sollten sich in Zukunft noch kleinere und leistungsfähigere Computerchips bauen lassen.

Wofür das Geld verwendet wird

In dem neuen Projekt soll die sogenannte „exotische“ Supraleitung erforscht werden. Diese entsteht, wenn man einen topologischen Isolator mit normalen Supraleitern in Kontakt bringt. „Exotisch heißt hier, dass die Elektronenpaarung im topologischen Material auf andere Weise als in herkömmlichen Materialien stattfindet“, erklärt Molenkamp.

Wie das genau passiert, soll jetzt mit Hochfrequenz-Techniken und sehr präzise gesteuerten Magnetfeldern untersucht werden. Die neuartige Form der Supraleitung dürfte sich besonders für den Einsatz in Quantenrechnern eignen. „Ob das tatsächlich stimmt und wie einfach oder schwer das gelingen könnte, ist allerdings noch offen“, so der Professor.

Aus den ERC-Mitteln werden die für das Projekt notwendigen neuen Messplätze beschafft. Auch drei Promotionsstellen werden geschaffen; die Doktoranden werden ihre Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Beschäftigten des Lehrstuhls in Angriff nehmen.

Vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler

Für seine Forschung über topologische Isolatoren hat Laurens Molenkamp schon viele hochkarätige Auszeichnungen erhalten.

Darunter sind der Europhysics Prize 2010, der Oliver-Buckley-Preis der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft 2012 und der Physics Frontiers Prize 2013. Ein Jahr später folgte der „deutsche Nobelpreis“, der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2017 kam die Stern-Gerlach-Medaille hinzu, die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Und erst vor wenigen Tagen bekam Molenkamp den renommierten King-Faisal-Preis überreicht.

Kontakt

Prof. Dr. Laurens Molenkamp, Lehrstuhl für Experimentelle Physik III der Universität Würzburg, T (0931) 31-84925, molenkamp@physik.uni-wuerzburg.de

Weblinks

Die ERC Grants an der Uni Würzburg

Website von Prof. Laurens Molenkamp

Sterben Krebszellen bei Glutamin-Entzug?

Kulturen von Darmkrebszellen, die zwei Tage lang ohne Glutamin gehalten wurden: Bei hohen exogenen MYC-Konzentrationen (Mitte) sterben die Zellen ab. Links eine Kontrollkultur. Rechts: „Echte“ Tumorzellen überleben, weil sie ihre MYC-Spiegel regulieren können. (Bild: Francesca Dejure)

Viele Tumoren sind geradezu abhängig von der Aminosäure Glutamin: Nimmt man ihnen den Stoff weg, sterben sie ab. Das klingt nach einem guten Therapieansatz. Doch eine neue Studie bringt diese Idee ins Wanken.

Die meisten Krebsarten brauchen für ihr schnelles Wachstum große Mengen Glutamin. Viele wissenschaftliche Studien kommen sogar zu dem Schluss, dass Tumoren ohne Glutamin nicht überlebensfähig sind. Für dieses Phänomen hat sich der Begriff “Glutaminsucht” eingebürgert.

Ein Weg zur Behandlung von Krebs könnte also darin bestehen, dass man den Tumor von der Glutaminzufuhr abschneidet. Forschungsteams aus Würzburg und Berlin kommen nun aber zu dem Schluss, dass ein Glutaminentzug die Tumorzellen zwar bremst, sie aber nicht abtötet. Für eine Therapie würde das ein hohes Rückfallrisiko bedeuten.

Die Studie ist im EMBO Journal veröffentlicht. Erarbeitet wurde sie von den Gruppen um Professor Martin Eilers vom Biozentrum der Universität Würzburg und Dr. Stefan Kempa vom Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin.

Es kommt auf die Art der Zellkultur an

Die “Glutaminsucht” von Krebszellen wurde bislang vorwiegend in genetisch manipulierten Zellkulturen untersucht, die zuviel c-MYC produzieren. Dieses Protein ist ein zentraler Regulator des Zellwachstums und der Zellteilung; in Krebszellen ist es oft außer Kontrolle geraten. In diesen Zellkulturen wirkt der Entzug von Glutamin tödlich auf die Tumorzellen.

Aber klappt das auch bei natürlichen Tumorzellen? Um das zu klären, verwendeten die Forscher eine Linie von Darmkrebszellen, in denen c-MYC von Natur aus in zu großen Mengen vorliegt. Sie stellten fest, dass diese Krebszellen nicht absterben, wenn man ihnen Glutamin entzieht. Stattdessen legen sie eine Art Teilungspause ein, aus der sie wieder in den Wachstumszustand zurückkehren können.

Die Forschungsteams stellten außerdem fest, dass sich die beiden Krebszelltypen in der Art unterscheiden, wie sie ihre c-MYC-Produktion regulieren. „Im genetisch veränderten Zellkultursystem bleibt c-MYC immer auf einem hohen Level, während es bei den natürlichen Darmkrebszellen herunterreguliert wird, sobald Glutamin knapp wird“, erklärt Professor Eilers. Das könne bedeuten, dass c-MYC beim Abtöten der Zellen eine Rolle spielt.

Was zu viel c-MYC in Krebszellen bewirkt

Darum gingen die Forscher als nächstes der Frage nach, welche Rolle c-MYC genau spielt und wie es durch Glutamin reguliert wird. Glutamin wird in Zellen an vielen Stellen benötigt, unter anderem zur Produktion von Nukleotiden, den Bausteinen von DNA und RNA. Ist zu wenig Glutamin vorhanden, sinkt die Menge an Nukleotiden. Das wiederum bewirkt, dass auch der c-MYC-Spiegel fällt.

Eine Schlüsselfunktion von c-MYC besteht darin, die Aktivität vieler Gene zu steuern. Wenn also die Nukleotidspiegel und damit die c-MYC-Spiegel fallen, wird auch die Genaktivität gedrosselt. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass c-MYC die Verfügbarkeit von Nukleotiden mit der Transkription koppelt”, sagt Dr. Kempa. “Das ist äußerst sinnvoll. Die Zelle versucht gar nicht erst, RNA zu produzieren, wenn die Grundbausteine dafür fehlen.”

Warum zu viel c-MYC tödlich sein kann

Diese Kopplung funktioniert aber nicht in Zellen, denen die erhöhte c-MYC-Konzentration durch genetische Veränderungen von außen aufgezwungen wurde – und die eingesetzt werden, um die Glutaminsucht von Krebszellen zu erforschen. In ihnen läuft die Transkriptionsmaschinerie auch bei Glutaminentzug einfach weiter, auch wenn zu wenige Nukleotide vorhanden sind. Das kann zu Fehlern führen, die für die Zelle letzten Endes tödlich sind.

„Die Glutaminsucht von Krebszellen wurde vorwiegend in solchen Zellkultursystemen analysiert. Darum hat man das therapeutische Potenzial des Glutaminentzugs bisher vermutlich falsch bewertet”, sagt Professor Eilers.

“The MYC mRNA 3′‐UTR couples RNA polymerase II function to glutamine and ribonucleotide levels”, Francesca R. Dejure, Nadine Royla, Steffi Herold, Jacqueline Kalb, Susanne Walz, Carsten P. Ade, Guido Mastrobuoni, Jens Vanselow, Andreas Schlosser, Elmar Wolf, Stefan Kempa and Martin Eilers, EMBO Journal, 13. April 2017, doi: 10.15252/embj.201796662

Kontakt

Prof. Dr. Martin Eilers, Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie, Biozentrum der Universität Würzburg, T +49 931 31-84111, Martin.Eilers@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Dr. Stefan Kempa, Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin, Berlin, stefan.kempa@mdc-berlin.de

Ameisen retten ihre Verletzten

Eine Matabele-Ameise trägt eine verletzte Artgenossin nach einem Raubzug zurück ins Nest. (Foto: Erik Frank)

Im Reich der Ameisen gibt es ein einzigartiges Rettungswesen: Kommt es im Kampf zu einer Verletzung, ruft die verwundete Ameise um Hilfe. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und verarztet.

Die afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) sind südlich der Sahara weit verbreitet und haben sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert: Sie fressen Termiten. Zwei bis vier Mal am Tag gehen die Ameisen auf Beutefang. Sie ziehen in langen Kolonnen aus, überfallen Termiten an ihren Futterstellen, töten dort viele Arbeiter und schleppen die Opfer zurück in ihr Nest.

Bei diesen Überfällen stoßen die Ameisen allerdings auf Gegenwehr – sie werden in Kämpfe mit der Soldatenkaste der Termiten verwickelt. Dabei kann es Tote und Verwundete geben, denn die Soldaten wissen ihre gepanzerten Köpfe und kräftigen Kiefer gut gegen die Ameisen einzusetzen.

Das Verletzungsrisiko ist also hoch auf den Beutezügen. Die Ameisen haben darum ein Rettungsverhalten entwickelt, das man in dieser Form bei Insekten bislang nicht kannte.

Chemisches Signal löst die Rettung aus

Wird eine Ameise im Kampf verletzt, „ruft“ sie ihre Artgenossen um Hilfe, indem sie chemische Signalstoffe absondert. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und dort verarztet, so dass sie in der Lage ist, bei künftigen Raubzügen wieder dabei zu sein. Worin die „Therapie“ besteht? Meist werden Termiten entfernt, die sich an der Ameise festgebissen haben.

Ein Forschungsteam vom Biozentrum der Universität Würzburg hat dieses Rettungswesen von Megaponera analis aufgedeckt und beschreibt es im Journal „Science Advances“. An der Arbeit beteiligt waren Erik Frank, Thomas Schmitt, Thomas Hovestadt, Oliver Mitesser, Jonas Stiegler und Karl Eduard Linsenmair, alle vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie.

Verletztenrettung macht sich bezahlt

„Erstmals haben wir damit bei wirbellosen Tieren ein Helferverhalten gegenüber Verletzten beobachtet“, sagt Doktorand Erik Frank. Gerade bei sozialen Insekten, bei denen das Individuum im Vergleich zur ganzen Kolonie in der Regel nur wenig zählt, sei das nicht zu erwarten gewesen. Aber offenbar zahlt es sich in der Gesamtbilanz für die Kolonie aus, den Aufwand zur Rettung von Verwundeten zu betreiben, wie die Forscher in ihrer Publikation zeigen.

E. T. Frank, T. Schmitt, T. Hovestadt, O. Mitesser, J. Stiegler, K. E. Linsenmair, Saving the injured: Rescue behavior in the termite-hunting ant Megaponera analis. Science Advances 3, 12. April 2017, e1602187 (2017).

Kontakt

Erik Frank, Biozentrum der Universität Würzburg, erik.frank@uni-wuerzburg.de

Website von Erik Frank

Narzissmus im Netz

Je größer die Zahl der Freunde auf Facebook und je häufiger jemand Bilder von sich hochlädt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Narzissten handelt. Das zeigt eine neue Studie.

Soziale Netzwerke sind für Narzissten das ideale Medium sich zu präsentieren. Dementsprechend stark sind sie dort vertreten. Das zeigt eine neue Analyse zweier Psychologen aus Würzburg und Bamberg.

Soziale Medien wie Facebook und Twitter spielen im Leben vieler Menschen weltweit eine große Rolle. Knapp zwei Milliarden Menschen waren Ende 2016 auf Facebook aktiv; 500 Millionen posten regelmäßig Bilder auf Instagram, mehr als 300 Millionen kommunizieren via Twitter.

Inwieweit soziale Medien bevorzugt von Menschen mit einer narzisstischen Ader genutzt werden, haben zahlreiche Studien in den vergangenen Jahren untersucht – mit widersprüchlichen Ergebnissen. Mal war der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Auftritt bei Facebook, Twitter und Co. eindeutig gegeben, mal nur schwach nachweisbar und bisweilen drehte er sogar ins Gegenteil.

Bis dato umfassendste Auswertung an Studien

Neue Ergebnisse präsentieren jetzt Wissenschaftler des Leibniz Instituts für Bildungsverläufe Bamberg und der Universität Würzburg. Sie konnten zeigen, dass es einen schwachen bis mäßig stark ausgeprägten Zusammenhang zwischen einer bestimmten Form von Narzissmus und den Aktivitäten in sozialen Medien gibt. Beim differenzierten Blick auf bestimmten Verhaltensweisen oder auf die Herkunft der Teilnehmer zeigt sich in einigen Fällen sogar ein ausgeprägter Effekt.

Verantwortlich für diese Studie sind Professor Markus Appel, Inhaber des Lehrstuhls für Medienkommunikation an der Universität Würzburg, und Dr. Timo Gnambs, Leiter des Arbeitsbereichs Educational Measurement am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Bamberg. Sie haben für ihre Meta-Analyse die Ergebnisse aus 57 Studien mit insgesamt mehr als 25.000 Teilnehmern zusammengefasst. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt im Journal of Personality veröffentlicht.

Was Narzissten ausmacht

Sie halten sich für besonders begabt, bemerkenswert und erfolgreich. Sie lieben es, sich vor Anderen zu präsentieren und brauchen die Bestätigung durch Dritte: So beschreiben Psychologen das typische Verhalten von Menschen, die landläufig als Narzissten bezeichnet werden. „Dementsprechend wird vermutet, dass soziale Netzwerke wie Facebook für sie eine ideale Bühne bieten“, sagt Markus Appel.

In dem Netzwerk finden sie leicht eine große Zahl von Adressaten; sie können dort gezielt die Informationen über sich preisgeben, die ihnen ins Konzept passen. Und sie können akribisch an ihrer Selbstdarstellung feilen. Kein Wunder, dass deshalb schon frühzeitig in der Wissenschaft die Befürchtung aufkam, soziale Netzwerke könnten Narzissten geradezu ausbrüten.

Drei Hypothesen

Ganz so schlimm ist die Situation anscheinend nicht, wie die jetzt veröffentlichte Meta-Analyse zeigt. Drei Hypothesen haben die beiden Wissenschaftler darin auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Zum einen die These, dass die prahlerischen Narzissten häufiger in sozialen Netzwerken zu finden sind als Vertreter einer anderen Form von Narzissmus – des sogenannten „verletzlichen Narzissmus“. Letztere sind geprägt von einer starken Unsicherheit, einer Überempfindlichkeit im Umgang mit anderen Menschen und mit dem Drang, sich von der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Die zweite These besagt, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Zahl der Freunde sowie bestimmten Aktivitäten der Selbstpräsentation deutlich größer ist – verglichen mit den sonstigen Aktivitäten, die in sozialen Netzwerken möglich sind.

In ihrer dritten Hypothese stellen die Wissenschaftler die Behauptung auf, dass der Link von Narzissmus und dem Verhalten im Netz kulturellen Einflüssen unterliegt. In Kulturen, in denen das Individuum weniger zählt als die Gemeinschaft oder in denen die Rollen eindeutig festgeschrieben sind, bieten soziale Medien Narzissten die Chance, aus diesem Gerüst von Regeln auszubrechen und sich so zu präsentieren, wie es für sie in der Öffentlichkeit nicht möglich wäre.

Die Ergebnisse

Tatsächlich bestätigt die Auswertung der 57 Studien die Hypothesen der Wissenschaftler. Großspurige Narzissten sind in sozialen Netzwerken häufiger anzutreffen als „verletzliche Narzissten“. Und je größer die Zahl der Freunde und je häufiger jemand Bilder von sich hochlädt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Narzissten handelt. Dabei spielt das Geschlecht der Nutzerinnen und Nutzer keine Rolle; auch das Alter zeigt keinen Einfluss. Typische Narzissten verbringen mehr Zeit in ihrem Netzwerk als der durchschnittliche Besucher und sie zeigen dort typische Verhaltensmuster.

Geteilt fällt das Ergebnis für den Einfluss der Kultur auf das Nutzungsverhalten aus. „In Ländern, in denen ausgeprägte soziale Hierarchien und eine ungleiche Machtverteilung im Durchschnitt eher akzeptiert werden, wie etwa Indien oder Malaysia, ist die Korrelation zwischen Narzissmus und dem Verhalten in sozialen Medien stärker ausgeprägt als in Ländern wie etwa Österreich oder den USA“, sagt Markus Appel.

Einen vergleichbaren Einfluss des Faktors „Individualismus“ zeigte die Auswertung der Daten aus 16 verschiedenen Ländern von vier Kontinenten hingegen nicht.

Die Generation Me

Ist die vielzitierte „Generation Me“ also ein Produkt von sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram, weil diese narzisstische Tendenzen fördern? Oder sind ihre Vertreter sowieso da und finden nur auf diesen Seiten die ideale Spielwiese für sie? Diese Fragen konnten die beiden Wissenschaftler mit ihrer Studie nicht wirklich beantworten.

„Wir vermuten, dass das Verhältnis von Narzissmus und dem Verhalten in sozialen Medien dem Muster einer sich selbst verstärkenden Spirale folgt“, sagt Markus Appel. Eine individuelle Disposition steuere die Netzaktivitäten; diese Aktivitäten wiederum verstärkten die Disposition. Um diese Frage endgültig zu klären, seien jedoch weitere Untersuchungen über längere Zeiträume hinweg notwendig.

Narcissism an Social Networking Behavior: A Meta-Analysis. Timo Gnambs and Markus Appel. Journal of Personality. DOI: 10.1111/jopy.12305

Kontakt

Prof. Dr. Markus Appel, Lehrstuhl für Medienkommunikation
T: +49 931 31-88106, markus.appel@uni-wuerzburg.de

Von Würzburg in die Welt

Dr. Ulf Bade (Foto: privat)

Ulf Bade hat an der Universität Würzburg studiert und leitet heute eine Einrichtung, die für viele Studierende von großer Bedeutung ist: die Stiftung für Hochschulzulassung. Leidensfähigkeit hält er für wichtig.

Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Dr. Ulf Bade an der Reihe. Bade hat an der Uni Würzburg Jura studiert und ist heute Geschäftsführer der Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund.

Herr Bade, was ist in aller Kürze die Aufgaben der Stiftung? Die Stiftung trägt dafür Sorge, dass Studienplätze trotz mehrfacher Nachfrage zügig besetzt werden, ohne dass sich Interessenten durch Mehrfachzulassungen gegenseitig blockieren.

Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Der Alltag ist sehr abwechslungsreich – was sich jedoch auch in langen Arbeitszeiten aufgrund zahlreicher Dienstreisen und Gremiensitzungen äußert, mit vielen Berührungspunkten zu IT und diversen Interessenvertretern.

Wie hat Sie Ihr Studium auf Ihre Tätigkeit vorbereitet? Das Jurastudium lehrt, Sachverhalte exakt zu analysieren und die Lösungen stringent zu strukturieren.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Aufgabe? Die Vielgestaltigkeit und den Kontakt zu Menschen mit anderen Bildungsabschlüssen als Jura.

Was würden Sie aktuell Studierenden als Ratschlag für das Berufsleben mit auf den Weg geben? Sei neugierig und leidensfähig.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne aus Ihrer Würzburger Zeit? Hier bleibt naturgemäß die außeruniversitäre Peripherie im Gedächtnis, vor allem Weinfeste und Unternehmungen mit Kommilitonen. Daraus sind einige Freundschaften hervorgegangen, welche bis heute tragen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

Zwei Zellen, links nach einer Infektion mit Chlamydia-Bakterien, rechts ohne. Obwohl beide Zellen mit einer Substanz behandelt wurden, die das mitochondriale Netzwerk zerstört, bleibt das Netzwerk in der infizierten Zelle intakt. (Abbildung: Suvagata Roy Chowdhury)

Damit Chlamydien in menschlichen Zellen überleben können, müssen sie jede Menge Tricks anwenden. Forscher der Uni Würzburg haben jetzt neue Mechanismen entdeckt.

Wenn das Bakterium Chlamydia trachomatis eine menschliche Zelle befällt, steht es vor einer großen Aufgabe: Es muss verhindern, dass die Zelle Abwehrreaktionen oder den programmierten Zelltod einleitet und damit die Vermehrung und Verbreitung der Krankheitserreger im Körper stoppt. Weil ihm außerdem zahlreiche Stoffwechselprozesse fehlen oder nur in Bruchstücken vorhanden sind, ist es darauf angewiesen, dass es von der Wirtszelle mit den notwendigen Nährstoffen dauerhaft versorgt wird.

Wie es das Bakterium schafft, von der Zelle unerkannt zu bleiben und diese am Leben zu erhalten und für sich arbeiten zu lassen, steht im Mittelpunkt weltweiter Forschungsprojekte. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben jetzt neue Details dieser Prozesse entschlüsselt. Die Forscher konnten Mechanismen aufzeigen, durch welche Chlamydia trachomatis bestimmte Proteine in der Zelle anreichert oder auf die Energielieferanten der Zelle, die Mitochondrien, einwirkt und damit die Zellen am Selbstmord hindert. Diese Mechanismen sind außerdem wichtig um die Bakterien vor der Erkennung des zelleigenen Abwehrsystems zu schützen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschriften Journal of Cell Biology sowie eLife vor.

Die Rolle der Mitochondrien

Verantwortlich für diese Studie war Professor Thomas Rudel, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der Universität Würzburg. Rudel und seine Mitarbeiter konnten bereits vor drei Jahren zeigen, dass Chlamydien in den von ihnen befallenen Zellen das Tumorsupressor-Protein p53 außer Kraft setzen und einen Prozess starten, in dessen Folge Schäden am Erbgut repariert werden, die eine Folge der Chlamydien-Infektion sind. Mit der Blockade von p53 verhindern die Bakterien, dass die Zelle sich im Extremfall selbst außer Gefecht setzt; sie gewinnen so Zeit für die eigene Vermehrung.

In ihrer neuen Studie haben die Mikrobiologen einen genaueren Blick auf die Mitochondrien geworfen. „Mitochondrien spielen eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung und dem programmierten Zelltod“, erklärt Thomas Rudel. Viel spreche dafür, dass Veränderungen in ihrer Architektur und Dynamik in einem engen Zusammenhang mit den allgemeinen Stoffwechselvorgängen der Zelle stünden.

Kleine RNA-Moleküle im Fokus

Welche Auswirkungen hat eine Infektion mit Chlamydien auf Mitochondrien? Um diese Frage zu klären, hat Rudels Team einen weiteren Akteur in dem Zellgeschehen genauer unter die Lupe genommen: sogenannte miRNAs oder MicroRNAs. Diese kleinen RNA-Moleküle steuern wichtige Lebensvorgänge innerhalb von Zellen, indem sie komplexe Gennetzwerke regulieren.

Mit Hilfe der Hochdurchsatz-Technik haben Rudel und seine Mitarbeiter detailliert untersucht, wie sich eine Chlamydien-Infektion auf die miRNA-Expression der befallenen Zelle auswirkt. Auffälligstes Merkmal dabei: eine stark vermehrte Bildung der MicroRNA miR-30c-5p. Eine hohe Konzentration dieser kleinen RNA-Moleküle ist für die Bakterien von Vorteil: „Sie sorgen dafür, dass das Tumorsupressor-Protein dauerhaft herunterreguliert wird“, erklärt Thomas Rudel.

Im Gegenzug macht eine Blockade von miR-30c den Chlamydien zu schaffen. Dann nämlich steigert die Zelle die Produktion eines Proteins namens Drp1, das die Mitochondrien in gestressten Zellen fragmentiert. Steigt dessen Konzentration im Zellinneren, erhöht sich die stressbedingte Teilungsrate der Mitochondrien, gleichzeitig steigt die Chance für die befallene Zelle, den Bakterienangriff zu überleben. Denn die Chlamydien sind in ihrem Wachstum deutlich gebremst, weil fragmentierte Mitochondrien den Erregern weniger Energie liefern und die Bakterien so verhungern.

Täuschungsmanöver schützt vor Müllabfuhr

Die Versorgung mit ausreichender Nahrung reicht für das Überleben in der Zelle nicht aus, auch die effektiven Abwehrsysteme der Zellen müssen von den Bakterien abgeschaltet werden. Hierzu blockieren sie das Selbstmordprogramm der Zelle, das infizierte Zellen aktivieren, um sich selbst und damit auch die Erreger zu zerstören. Eine zweite, sehr effiziente Strategie der Zelle besteht darin, die unerwünschten Eindringlinge als „Abfall“ zu deklarieren und in der zelleigenen Müllverwertung, dem Proteasom, zu entsorgen.

Alle zellulären Proteine durchlaufen ständig einen Kreislauf von Proteinabbau und Neusynthese. Ein abzubauendes Protein wird mit einer Art Etikett, einem sogenannten Ubiquitin, markiert und anschließend im Proteasom abgebaut. Nicht nur Proteine, sondern auch komplexere zelluläre Strukturen oder ganze Bakterien können mittels Ubiquitinierung für deren Abbau markiert werden. Diesen Vorgang kann die Zelle auch mithilfe von Spezialwerkzeugen, den sogenannte Deubiquitinasen rückgängig machen; Entfernen des Ubiquitins verhindert den Abbau.

Das Team von Thomas Rudel konnte jetzt zeigen, dass Chlamydien selbst eine Deubiquitinase namens Cdu1 in die Wirtszelle einschleusen, mit drastischen Folgen: „Es ist schon verrückt – Bakterien haben gar kein Ubiquitinsystem und verstehen es doch, gezielt diesen ausgeklügelten Abwehr-Code der Zelle so zu ändern, dass die Zelle die Bakterien nicht mehr als Eindringlinge erkennt.“

Cdu1 entfernt einfach die Ubiquitine von den Bakterien selbst und von einem wichtigen Regulator, der das Zelltodprogramm aus Kraft setzt. Somit entgehen die Bakterien ihrer Vernichtung und die Zelle „muss“ weiterleben, um die Erreger zu versorgen.

Chlamydien: Trickreiche Invasoren

Bakterien vom Stamm Chlamydia trachomatis sind beim Menschen für eine Reihe schwerer Krankheiten verantwortlich. So zählt eine Chlamydien-Infektion zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen der Welt. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit je nach Altersgruppe bis zu zehn Prozent der Bevölkerung mit den Erregern infiziert sind.

Ohne Behandlung verursachen die Bakterien bei Frauen häufig eine Verklebung der Eileiter, was Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit zur Folge haben kann. Neuere Befunde belegen sogar, dass Chlamydien-Infektionen die Entstehung von Eierstockkrebs fördern. Männer können nach einer Infektion zeugungsunfähig werden.

Eine weitere Folge einer Chlamydien-Infektion tritt vor allem in tropischen Ländern auf: Dort befallen die Bakterien die Augen und können zur Erblindung führen. Rund 150 Millionen Menschen sollen daran erkrankt sein. Andere Stämme können Lungenentzündungen auslösen und stehen im Verdacht, Krankheiten wie beispielsweise Arterienverkalkung und Alzheimer zu verursachen.

Chlamydia preserves the mitochondrial network necessary for replication via microRNA-dependent inhibition of fission. Suvagata Roy Chowdhury, Anastasija Reimer, Malvika Sharan, Vera Kozjak‑Pavlovic, Ana Eulalio, Bhupesh K. Prusty, Martin Fraunholz, Karthika Karunakaran, and Thomas Rudel The Journal or Cell Biology. https://doi.org/10.1083/jcb.201608063

Chlamydia trachomatis-containing vacuole serves as deubiquitination platform to stabilize Mcl-1 and to interfere with host defense. Annette Fischer, Kelly S Harrison, Yesid Ramirez, Daniela Auer, Suvagata Roy Chowdhury, Bhupesh K Prusty, Florian Sauer, Zoe Dimond, Caroline Kisker, P Scott Hefty and Thomas Rudel. eLife. http://dx.doi.org/10.7554/eLife.21465.001

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Rudel, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T (0931) 31-84401, Thomas.Rudel@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Ein guter Start ins Studium

In Vorkursen unterstützen Studierende und Dozierende Studienanfänger an der Uni Würzburg. (Foto: Steffen Gebert)

Für ihre Erstsemester bietet die Universität in vielen Fächern spezielle Vorkurse zum besseren Start ins Studium an. Die ersten Kurse zum Sommersemester begannen am Montag, 3. April.

Vorkurse in den Geisteswissenschaften

Die Philosophische Fakultät bietet in den Geisteswissenschaften Vorkurse in Anglistik, Germanistik, Romanistik, Slavistik, Geschichte und Geographie an.

Am Montag, 3. April, starten die Vorkurse in der Romanistik: Vom 3. bis 21. April finden die dreiwöchigen Propädeutika Französisch, Italienisch und Spanisch statt. Diese Intensivkurse dienen vor dem eigentlichen Studienbeginn dem Erwerb erster Sprachkenntnisse (Spanisch) beziehungsweise der Verbesserung der Sprachkenntnisse (Französisch, Italienisch, Spanisch). Der Schwerpunkt der Kurse liegt auf der Vermittlung der Grammatik, da bei der Sprachausbildung für das Studium in Französisch, Italienisch und Spanisch besonderes Gewicht auf der Grammatikbeherrschung liegt.

In der Anglistik wendet sich der zweiwöchige „Intensive refresher course“ ab 10. April an Studienanfänger und interessierte Studierende des Fachs Englisch, die sich in einem unteren Semester befinden, sowie an ausländische Programmstudierende.

Zur Auffrischung der Russisch-Kenntnisse veranstaltet die Slavistik ab 18. April einen einwöchigen Vorkurs.

„In unseren Vorkursen soll die Brücke zwischen Fachinhalten des Gymnasiums und den sprachpraktischen Zielen der Universität geschlagen werden, indem grundlegende Aspekte auch der Sprachbeherrschung wiederholt und intensiviert werden und auf zukünftige Anforderungen eingegangen wird“, so Professorin Brigitte Burrichter vom Lehrstuhl für Französische und Italienische Sprachwissenschaft.

Am Montag, 3. April, beginnt in der Geographie der einwöchige Vorkurs „Geographisch denken und arbeiten – fit ins Studium“.

Im Fach Geschichte reicht das Programm von Alter Geschichte (10. bis 11. April) über Mittelalterliche Geschichte (12. bis 13. April) bis hin zu Neuester Geschichte (18. bis 21. April).

In der Germanistik starten am 3. April die jeweils einwöchigen Vorkurse „Grundlagen der Literaturwissenschaft“ und „Antike Mythen in der Literatur“ (jeweils 3. bis 7. April), es folgen die Kurse „Selbstorganisiertes Lernen“ und „Die Bibel für Germanisten“ (jeweils 10. bis 13. April) und „Romantik für Einsteiger“ (18. bis 21. April).

Die Teilnahme an den Vorkursen ist freiwillig, wird von der Universität aber sehr empfohlen, denn wer sich für ein geisteswissenschaftliches Fach einschreibt, muss mit ganz anderen Herausforderungen rechnen als in der Schule. In kleinen Gruppen erhalten die Studienanfänger nicht nur einen Überblick über zentrale Themen und Arbeitsweisen der Fächer, sondern auch erste Einblicke ins Campusleben, etwa in Universitätsbibliothek und Mensa. Was viele Erstsemester besonders schätzen: In den Vorkursen lernt man schon Leute kennen, mit denen man zusammen studieren wird.

MINT-Vorkurse in den Studienfeldern Informatik und Mathematik

Am Montag, 10. April, startet das gemeinsame Vorkursprogramm der MINT-Fächer Informatik und Mathematik. Die Studieneinsteiger dieser beiden Studienfelder können zwei Vorkurse besuchen: Die Vorkurse „Programmierkurs Informatik“ und „Grundbegriffe und Beweismethoden der Mathematik“ finden parallel vom 10. bis 20. April statt (mit einer Osterpause vom 14. bis 17. April).

Zusätzlich findet am Freitag, 21. April, ein MINT-Tag mit den wichtigsten Einstiegs- und Studienstartinformationen aus erster Hand statt: Der MINT-Tag startet um 9 Uhr mit einem Ersti-Frühstück gemeinsam mit den Professoren. Anschließend findet eine kompakte Fachstudienberatung mit vielen Informationen zu den einzelnen Studiengängen und zur Semesterplanung statt. Hier wird zum Beispiel erklärt, welche Veranstaltungen man im ersten Semester belegen muss oder wie die Veranstaltungs- und Prüfungsanmeldung funktioniert. Allein schon wegen der komprimierten Studienganginformationen ist der MINT-Tag quasi ein „Muss“ für alle Erstsemesterstudierenden.

Mathematik für Studierende der Chemie

Neu bietet die Fakultät für Chemie und Pharmazie in diesem Sommersemester den Studienanfängern der Chemie (Bachelor) einen Mathematik-Vorkurs an: Im „Mathematik-Vorkurs für Studienanfänger der Chemie“ werden ab 18. April notwendige mathematische Kenntnisse wiederholt und aufgefrischt, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Der Vorkurs ist auf den Erstitag der Fachschaft Chemie am 18. April abgestimmt und bietet neben den fachlichen Inhalten die Gelegenheit, schon vor Studienbeginn Mitstudierende kennenzulernen.

Fürs Studium im Sommersemester einschreiben

An der Uni Würzburg ist auch im Sommersemester der Start in viele zulassungsfreie Studiengänge möglich. Ob ein Studiengang zulassungsfrei ist oder nicht, erfährt man unter http://go.uni-wuerzburg.de/faecher. Dort ist auch vermerkt, ob vor der Einschreibung ein Eignungstest zu bestehen ist.

Für die zulassungsfreien Studiengänge kann man sich bis zum Semesterbeginn einschreiben. Die Einschreibung geht ganz unkompliziert über das Internet-Portal „Online-Immatrikulation“.

Alle Fragen zum Einschreibeverfahren beantwortet die Zentrale Studienberatung der Uni Würzburg. Telefonisch, persönlich, per Post und E-Mail helfen die Berater weiter.

Alle Vorkurstermine auf einen Blick

Filme über Vorkurse auf Youtube

Die Vorkurse werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im „Qualitätspakt Lehre“ mitfinanziert.

Quelle: Universtitaet Würzburg