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Neues an der Universtitaet Würzburg

Startschuss für neues Forschungsinstitut

Vertragsunterzeichnung in der Residenz mit Vertretern aus Politik, der Uni, des Helmholtz-Instituts und der Helmholtz-Gesellschaft.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und die Universität Würzburg haben ein gemeinsames Helmholtz-Institut gegründet. In der Residenz haben die Verantwortlichen die Verträge unterzeichnet.

Es ist die weltweit erste Einrichtung seiner Art: das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI. In einem feierlichen Gründungsakt haben die Beteiligten – das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und die Julius-Maximilians-Universität (JMU) – am Mittwoch, 24. Mai, die entsprechenden Verträge unterzeichnet.

Angriffspunkt für neue Medikamente

In der neuen Forschungseinrichtung mit Sitz auf dem Medizin-Campus der Universität Würzburg sollen sogenannte Ribonukleinsäuren (RNA) und deren Rolle in Infektionsprozessen untersucht werden. RNAs werden ein enormes Potenzial als Angriffspunkte für Medikamente und auch als Therapeutika selbst zugesprochen. Neue Technologien sollen diese Möglichkeiten jetzt erschließen.

Am feierlichen Gründungsakt des neuen Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung nahmen heute Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die Geschäftsführerin der Helmholtz-Gemeinschaft Franziska Broer, Ministerialdirektorin Bärbel Brumme-Bothe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Präsident der Julius Maximilians-Universität Professor Alfred Forchel und der wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI Professor Dirk Heinz sowie weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft teil. Die entsprechenden Vereinbarungen wurden im Fürstensaal der Würzburger Residenz unterzeichnet.

Ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Bayern

„Die Gründung des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung ist ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Bayern“, sagt die bayerische Wirtschafts- und Technologieministerin Ilse Aigner. „Mit der weltweit ersten Einrichtung dieser Art bauen wir unseren internationalen Spitzenplatz in der medizinischen Forschung weiter aus. Künftig wird der Grundstein für neue Medikamente und Therapeutika mit enormem Heilungspotenzial hier in Würzburg gelegt. Daher investieren wir auch gerne in dieses Leuchtturmprojekt.“ Der Freistaat Bayern trägt die Anschubfinanzierung in Höhe von 16,5 Millionen Euro sowie die Kosten für einen Neubau, der in einigen Jahren für etwa 30 Millionen Euro errichtet werden soll. Im Anschluss an die Aufbauphase fördert die Helmholtz-Gemeinschaft das Institut jährlich mit 5,5 Millionen Euro, wobei der Bund 90 Prozent  und der Freistaat Bayern zehn Prozent der laufenden Kosten übernehmen.

Das neue Institut

Am HIRI werden RNA-Moleküle und ihre Rolle bei Infektionskrankheiten in einer neuen Dimension erforscht. Dabei stehen die Wechselbeziehungen der RNAs von Krankheitserregern und Wirtszellen im Fokus. Diese Interaktionen sollen mit neuen Analyseverfahren auf molekularer Ebene untersucht werden. Die Forscher versprechen sich davon neue Erkenntnisse über RNA-Moleküle, die als Ansatzpunkt für Medikamente sowie für die Entwicklung neuer RNA-basierter Diagnostika und Therapeutika genutzt werden können.

Das neue Helmholtz-Institut wird die Expertise des HZI in der translationalen Infektionsforschung durch innovative Grundlagenforschung signifikant stärken. Gründungsdirektor des Instituts wird Professor Jörg Vogel, Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an der Universität Würzburg. Er wurde im März für seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der RNA-Biologie mit dem Leibniz-Preis, dem wichtigsten deutschen Forschungspreis, ausgezeichnet.

Das weltweit erste Institut für RNA-basierte Infektionsforschung.

„Wir sind stolz, dass wir mit Jörg Vogel einen international herausragenden Wissenschaftler für die Leitung des neuen Helmholtz-Instituts gewinnen konnten“, sagt Dirk Heinz, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. „Unter seiner wissenschaftlichen Federführung werden wir mit dem HIRI ein Forschungsfeld erschließen, das ein großes Innovationspotenzial für neue Diagnostika und Therapien von Infektionskrankheiten bietet. HIRI ist weltweit das erste Institut für RNA-basierte Infektionsforschung.“

Der Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Alfred Forchel, sieht den Forschungsstandort durch die Kooperation mit der Helmholtz-Gemeinschaft gestärkt. „Das neue Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung ist eine hochkarätige Erweiterung und ein sehr wichtiger Baustein für die Stärkung des außeruniversitären Umfelds der JMU. Es wird in enger Wechselwirkung mit dem JMU-Zentrum für Infektionsforschung Ausgangspunkt international einmaliger Wissenschaft sein.“

Mehr als 100 neue Arbeitsplätze

Im HIRI sollen zunächst drei Professuren und drei Nachwuchsgruppen eingerichtet und auf diese Weise langfristig über 100 hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden. Eng eingebettet in das Helmholtz-Forschungsprogramm „Infektionsforschung“ des HZI werden bakterielle und virale Infektionskrankheiten, die Immunabwehr sowie Möglichkeiten zur gezielten Applikation therapeutisch wirksamer RNA-Moleküle erforscht werden.

Derzeit läuft bereits die Rekrutierung erster Mitarbeiter und die Ausschreibung von Professuren am HIRI, informiert der Gründungsdirektor Jörg Vogel: „Im April hat mit Antoine-Emmanuel Saliba aus Strasbourg der erste Wissenschaftler seine Tätigkeit aufgenommen. Er wird die  Arbeitsgruppe ‚Single Cell Analysis‘ leiten. Die Gruppe leistet einen wichtigen Beitrag zur Einrichtung des neuen RNA-Analyse-Zentrums. Dieses Zentrum stellt zusammen mit der RNA-Chemie-Plattform völlig neue Infrastrukturen zur Verfügung, die den Zugang zu den neuesten relevanten Technologien ermöglichen.“ Um den Start des Instituts zu unterstützen, werden außerdem institutionelle Fördermittel bereitgestellt, die rasch gemeinsame wissenschaftliche Projekte zwischen dem HZI, der JMU und dem HIRI auf den Weg bringen.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. 

www.helmholtz-hzi.de

Studienluft schnuppern

Fünf Wochen lang können angehende Studierende unverbindlich Vorlesungen und Seminare an der Uni Würzburg besuchen. (Foto: Christoph Naumann)

Von Montag, 29. Mai, bis Freitag, 30. Juni 2017, besteht für Studieninteressierte die Möglichkeit, die Universität Würzburg bei einem Schnupperstudium kennenzulernen.

Viele Abiturienten kennen das: Den Schulabschluss (fast) in der Tasche, das erste Semester rückt unaufhaltsam näher, und noch immer weiß man nicht, was man studieren will. Zugegeben: Bei den 249 Studiengängen, die die Universität Würzburg zu bieten hat, kann man schon mal den Überblick verlieren. Damit es nicht so weit kommt, gibt es im Sommersemester 2017 die Gelegenheit, die Universität bei einem Schnupperstudium kennenzulernen.

Von Montag, 29. Mai, bis einschließlich Freitag, 30. Juni, haben Interessierte die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen der verschiedenen Fakultäten zu besuchen und sich ein Bild von Hörsälen, Campus und Hochschulalltag zu machen.

Universität auf eigene Faust erkunden

Während des Schnupperstudiums können angehende Studierende die Universität auf eigene Faust erkunden und ganz unverbindlich Veranstaltungen besuchen. Dabei ist es egal, ob sie nur an einem Tag oder öfter kommen wollen. Eine Anmeldung ist – außer bei einzelnen wenigen Veranstaltungen – nicht erforderlich.

Informationen dazu, welche Veranstaltungen besucht werden können, gibt es in einem Programmheft. Bei der Auswahl der Veranstaltungen haben die Professorinnen und Professoren darauf geachtet, einen möglichst umfassenden und im Hinblick auf den Wissensstand verständlichen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche zu gewähren.

Mehr Informationen

Das Programmheft

Das Programmheft für das Schnupperstudium wurde an alle Gymnasien und Agenturen für Arbeit der Region versandt. Es kann auch bei der Zentralen Studienberatung abgeholt, angefordert oder online hier heruntergeladen werden.

Kontakt

Zentrale Studienberatung, Ottostraße 16, T (0931) 31-83183, studienberatung@uni-wuerzburg.de

Jetzt fürs Deutschlandstipendium bewerben

Studierende – auch Erstsemester – können sich ab sofort für das Deutschlandstipendium der Uni Würzburg bewerben. Wer ausgewählt wird, bekommt ein Jahr lang 300 Euro im Monat zur freien Verfügung.

Wer ein Deutschlandstipendium bekommen möchte, muss sehr gute Schul- oder Studienleistungen vorweisen und sich gesellschaftlich engagieren – sei es in Vereinen, Kirchen, der Politik oder anderen Bereichen. Denn mit dem Deutschlandstipendium will die Universität leistungsstarke Talente fördern, die über den Tellerrand ihres Fachs blicken und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Bei der Auswahl der Stipendiaten werden auch besondere biografische Hürden berücksichtigt, die auf dem Weg zum Studium zu nehmen waren.

Was Stipendiaten bekommen

Wer für ein Deutschlandstipendium ausgewählt wird, erhält ein Jahr lang 300 Euro im Monat zur freien Verfügung. Die Hälfte des Geldes stammt von Unternehmen, Stiftungen und privaten Förderern, der Rest kommt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Stipendium wird unabhängig vom Einkommen der Bewerber oder ihrer Eltern gewährt. Es wird nicht auf Leistungen nach dem BAföG angerechnet und es müssen dafür keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden.

Wo man sich bewerben kann

Interessierte können sich vom 22. Mai an bis Freitag, 16. Juni 2017 (12 Uhr), über das Online-Portal der Universität Würzburg bewerben. Die Entscheidung über die Vergabe der Deutschlandstipendien fällt im Spätherbst. Dabei werden Bewerber aus allen Fakultäten berücksichtigt.

Links

Zur Ausschreibung des Deutschlandstipendiums fürs WS 2017/18

Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium (für interessierte Förderer)

Kontakt

Reinhold Gröner, Zentralverwaltung, Referat 2.2 – Studierendenkanzlei
T (0931) 31-82770, reinhold.groener@uni-wuerzburg.de

Orientierungslauf im Mikrokosmos

Der Versuchsaufbau im Foto … (Foto: Chaoyang Lu/Universität für Wissenschaft und Technologie)

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner. Daher soll er in nicht allzu ferner Zukunft Probleme lösen können, die für klassische Supercomputer praktisch unlösbar sind. Physiker sprechen auch von einer „quantum computational supremacy“.

Doch noch steht der Nachweis für diese Überlegenheit des Quantencomputers aus: Effekte aus der Quantenmechanik für Kalkulationen zu nutzen, gestaltet sich schwierig; die bisherigen Prototypen konnten daher lediglich sehr einfache Probleme lösen. Forscher der Universität Würzburg und der chinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Hefei und Shanghai schicken sich an, das zu ändern. Ihre Studien sind jetzt in den Fachzeitschriften Nature Photonics und Physical Review Letters erschienen.

Die Wissenschaftler haben eine spezielle Variante eines Quantenrechners gebaut, die auf eine einzige Aufgabe spezialisiert ist. „Es handelt sich also nicht um einen wirklichen universellen Quantencomputer, sondern gewissermaßen um einen kleineren Bruder, der nur ein spezielles Problem lösen kann“, erklärt Professor Sven Höfling vom Physikalischen Institut der Universität Würzburg.

Ein zentraler Bestandteil dieses Rechners wurde von Höfling und seinen Kollegen Dr. Christian Schneider und Dr. Martin Kamp über Jahre hinweg entwickelt und verbessert – eine so genannte Einzelphotonenquelle. Diese erzeugt auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen (Photonen). Bei einer Glühlampe oder einem Laser kann dagegen nie vorhergesagt werden, wie viele Photonen zu einer bestimmten Zeit abgegeben werden.

Basis vieler quantenoptischer Experimente

Die Würzburger Lichtquelle hat noch einen weiteren Vorteil: Die emittierten Lichtteilchen ähneln einander wie ein Ei dem anderen – sie haben exakt die gleiche Farbe und breiten sich in die gleiche Richtung aus. „Einzelne Photonen wie diese sind eine Grundvoraussetzung für viele quantenoptische Experimente“, betont Höfling. „Wir haben unsere Methoden in jahrelanger Arbeit so optimiert, dass wir derartige Lichtteilchen inzwischen sehr effizient und zuverlässig erzeugen können.“ In Zahlen: Wenn die Wissenschaftler 100 Mal den Knopf drücken, spuckt ihre Lichtquelle bis zu 74 Mal ein einzelnes Photon aus. Nur ein einziges Mal entstehen irrtümlich zwei Photonen gleichzeitig.

Die Partner aus Hefei und Shanghai schickten die Photonen nun auf eine Art optischen Orientierungslauf: Sie ließen die Lichtteilchen durch ein Material wandern, in dem diese – bildlich gesprochen – in regelmäßigen Abständen auf eine Weggabelung trafen. Sie mussten sich dann stets für den linken oder rechten Pfad entscheiden.

Ihre Situation ähnelte dabei der eines Mannes, der eine Münze in der Hand hält und diese mehrmals hintereinander wirft. Immer wenn sie „Kopf“ zeigt, macht er einen Schritt nach rechts. Liegt dagegen „Zahl“ oben, geht es einen Schritt nach links. Nach zehn Würfen hat sich der Mann wahrscheinlich nicht allzu weit vom Ausgangspunkt entfernt: „Kopf“ und „Zahl“ fallen in etwa gleich häufig. Um zehn Schritte nach rechts zu gehen, müsste er dagegen zehn Mal hintereinander „Kopf“ werfen. Und das kommt eher selten vor.

Quantenspaziergang mit fünf Teilnehmern

Würde man dieses Experiment 1.000 Mal hintereinander durchführen und nach jedem Durchgang den Standort des Mannes notieren, erhielte man daher eine typische Glockenkurve: Sehr häufig endet die Reise irgendwo in der Nähe des Startpunkts. Weit links oder rechts befindet sich der Mann dagegen selten.

Das Experiment nennt sich „Zufallswanderung“, englisch: „random walk“. Das Phänomen ist in vielen Bereichen der Natur zu finden, etwa als Brownsche Molekularbewegung. In der Welt der Quantenphysik gibt es ein Analogon, den „random quantum walk“. Das Ergebnis dieses Quantenspaziergangs lässt sich jedoch wegen der Quanteninterferenz ununterscheidbarer Teilchen viel schwerer vorhersagen – besonders, wenn sich mehrere Teilchen gleichzeitig auf den Weg machen. „Schon ab etwa 20 Photonen stoßen klassische Computer an ihre Grenzen“, erklärt Höfling. „Unsere Partner aus China nutzen daher die einzelnen Photonen in Verbindung mit einem photonischen Schaltkreis für eine Quantensimulation, die das Problem nachbildet.“

In den jetzt publizierten Veröffentlichungen  schickten sie bis zu fünf Photonen gleichzeitig auf Reise. Für die Ermittlung der Verteilung benötigten sie mit ihrem Ansatz in etwa so viel Zeit, wie auch die allerersten elektronischen Computer gebraucht hätten. „Wir sind aber optimistisch, dass wir mit unserer Methode prinzipiell auch Simulationen mit 20 oder mehr Photonen durchführen können“, hofft Sven Höfling. „Damit kämen wir in einen Bereich, in dem sich erstmals eine echte Überlegenheit der Quantentechnologie über klassische Rechenmaschinen zeigen könnte, und daran arbeiten wir.“

Hui Wang u.a.: High-efficiency multiphoton boson sampling; Nature Photonics; DOI: 10.1038/nphoton.2017.63.

 Yu He u.a.:Time-Bin-Encoded Boson Sampling with a Single-Photon Device; Phys. Rev. Lett. 118, 190501 (2017)

Kontakt

Prof. Dr.  Sven Höfling, Lehrstuhl für Technische Physik der Universität Würzburg, T: (0931) 31-83613, E-Mail: sven.hoefling@physik.uni-wuerzburg.de

Gender ist nicht nur für Frauen

Auftaktveranstaltung für das Genderforum mit (v.l.): Vizepräsidentin Barbara Sponholz, den Vortragenden Lann Hornscheidt und Margarethe Hochleitner sowie der Frauenbeauftragten der Uni Marie-Christine Dabauvalle.

Drei Preisträgerinnen, zwei Festvorträge und ein gemeinsames Anliegen: Mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung in der Neubaukirche hat das Genderforum der Uni Würzburg die Arbeit aufgenommen.

Ein kleine Veränderung auf dem Chromosom 4 ist der Auslöser einer bestimmten Form der Muskelschwäche: der fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie. Die Zellbiologin Corinna Frank forscht in der Abteilung für Elektronenmikroskopie an dieser Krankheit und hat dabei festgestellt, dass die sowieso schon defekten Zellen auf zusätzlichen Oxidativen Stress stark reagieren – allerdings nicht immer gleich: „Bei Frauen fällt diese Reaktion scheinbar  stärker aus als bei Männern“, sagt sie. Warum das so ist, sei derzeit noch unbekannt.

Drei Posterpreise für Genderforschung

Corinna Franks Arbeit ist ein Beispiel für ein Forschungsprojekt an der Universität Würzburg, bei dem das Geschlecht eine Rolle spielt. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung für das neu gegründete Genderforum hat Frank die Ergebnisse ihrer Forschung auf einem Poster präsentiert und dafür den 1. Preis erhalten. Im Vorraum der Neubaukirche hatten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Arbeiten aus den unterschiedlichsten Fachgebieten präsentiert, bei denen der Genderaspekt eine wichtige Position einnimmt.

„Traumatologie und Anthropologie im Frauenfußball“ lautet beispielsweise der Titel der Arbeit von Yvonne Voß. Die Sportwissenschaftlerin hat untersucht, ob und wie sich Männer und Frauen im Fußball unterscheiden. Keine Unterschiede fand sie bei der Leistung: „Frauen legen in den 90 Minuten die gleichen Strecken zurück wie Männer“, so Voß. Große Unterschiede zeigten sich hingegen bei den Verletzungsarten und -häufigkeiten. Aufgrund anatomischer Unterschiede erleiden Frauen sehr viel häufiger Verletzungen an Fuß, Sprunggelenk und Knie als Männer. Zum Ausgleich sind sie seltener von Muskelverletzungen betroffen, was sie vermutlich der höheren Elastizität ihrer Bänder verdanken. Für diese Arbeit erhielt Voß den 2. Posterpreis.

Der 3. Preis ging an Sarah Merkle-Schneider. Die Indologin erforscht „Jogappas“ – Männer, die dazu berufen werden, einer bestimmten Göttin zu dienen. Sie nehmen dafür in einem Initiationsritus einen weiblichen Namen an und verändern in der Folge auch ihr Aussehen. So lassen sie beispielsweise ihre Haare wachsen und tragen nur noch Frauenkleider. Sarah Merkle-Schneider interessiert sich unter anderem dafür, wie in den Dörfern der Jogappas Transidentität und Geschlechterwechsel gesehen wird.

Grußworte von Alfred Forchel und Marie-Christine Dabauvalle

„Genderforschung ist als interdisziplinäres Forschungsfeld an nahezu allen Fakultäten der Universität Würzburg vertreten – von den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften über die Medizin bis zur Mathematik.“ Was sich in der Poster-Ausstellung zeigte, bestätigte Unipräsident Alfred Forchel in seinem Grußwort. Wissenschaftlerinnen und Studierende in unterschiedlichen Disziplinen, die sich mit dem Thema Gender beschäftigen, miteinander zu vernetzen, ihre Zusammenarbeit innerhalb der Universität zu fördern und so dieses wichtige Forschungsfeld weiter zu stärken: Dies sind nach Forchels Worten die Aufgaben des Genderforums der Universität Würzburg.

Dabei solle Gender nicht nur ein Thema für die Forschung sein, sondern auch für die Lehre. Überdies könne sich Forchel vorstellen, ein Gender-Forschungszentrum einzurichten sowie eine Gastprofessur auf diesem Gebiet zu etablieren, die durch die Fakultäten wandert.

Eine Idee, die Marie-Christine Dabauvalle, Frauenbeauftragte der Universität und wesentliche Kraft hinter der Gründung des Genderforums, in ihrem Grußwort direkt aufgriff: Ihre Vision sei die Einrichtung einer interfakultären Professur für Genderforschung an der Uni Würzburg – eine Vision, die sie so schnell wie möglich in die Realität umsetzen möchte. Darüber hinaus will Dabauvalle mit Hilfe des Genderforums den Dialog mit der Öffentlichkeit fördern. Eine neue Vortragsreihe mit monatlichen Vorträgen wird deshalb im Juni starten.

Welche Themen im Mittelpunkt solcher Vorträge stehen könnten, durften die Besucher der Auftaktveranstaltung in der Neubaukirche direkt im Anschluss an die Grußworte erleben. Margarethe Hochleitner und Lann Hornscheidt boten Einblicke in ganz unterschiedliche Forschungsgebiete.

Gender Medizin hilft Frauen und Männern

„Gender Medizin – Was ist das?“ war der Vortrag von Margarethe Hochleitner überschrieben. Die Internistin ist Professorin an der Medizinischen Universität Innsbruck und räumte gleich zu Beginn mit einem möglicherweise weit verbreiteten Vorurteil auf: „Bei Gender Medizin geht es nicht um Frauengesundheit. Gender Medizin ist Frauen- und Männergesundheit“, so die Medizinerin.

Vorurteile gibt es in der Medizin allerdings häufig. Herzinfarkt? Klare Männerkrankheit! Brustkrebs? Betrifft nur Frauen! Und Osteoporose? Der Mann, der von sich aus seine Knochendichte überprüfen lässt, musst erst noch gefunden werden. Das Problem an diesen Vorurteilen ist die Tatsache, dass sie für die Betroffenen drastische Konsequenzen haben können.

„Frauen mit Herzproblemen bekommen später eine Herzkatheter-Untersuchung und einen Bypass. Sie haben geringere Chancen auf Spitzenmedizin“, sagte Hochleitner. Dabei zeige die Statistik, dass Herz-Kreislauferkrankungen weltweit die Todesursache Nr. 1 sind – für Männer wie Frauen gleichermaßen. Im Gegenzug ist die Sterblichkeit von Männern, die an Brustkrebs erkrankt sind, deutlich höher, verglichen mit der von Frauen. Sie müssten erst „beweisen“, dass sie tatsächlich davon betroffen sind, so die Ärztin.

Gender Medizin ist nach Ansicht von Margarethe Hochleitner nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin. Denn: „Je besser die Unterscheidung, desto besser die Angebote“.

Geschlecht ist keine hierarchiefreie Kategorisierung.

Eine Welt, in der die Wahrnehmung von Menschen von deren Geschlecht entkoppelt ist, wünscht sich Lann Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin hatte bis Ende 2016 die Professur für Gender Studies und Sprachanalyse an der Berliner Humboldt-Universität inne – und würde sich vermutlich jetzt über die Verwendung des Begriffs „Wissenschaftlerin“ beschweren. Hornscheidt möchte keinem Geschlecht zugeordnet sein und lehnt deshalb für sich eine Bezeichnung als Mann oder Frau in der Anrede ab. Lann Hornscheidt bezeichnet sich im Sinne der geschlechtsneutralen Sprache als „Professx“.

„Ohne Rassismus gäbe es keine Rassen. Ohne Sexismus gäbe es keine Geschlechter.“ So lautete die zentrale These in Lann Hornscheidts Vortrag. Jeder Mensch bekommt spätestens bei der Geburt ein Geschlecht zugewiesen und damit eine soziale Rolle, die er im Laufe seines Lebens zu erfüllen habe, meint Lann Hornscheidt. Diese „Naturalisierung von sozialen Rollen und Normen“ gehe einher mit einem Machtgefälle, mit Diskriminierung und Gewalt. Schließlich sei Geschlecht keine hierarchiefreie Kategorisierung.

Die Zuhörer forderte Hornscheidt deshalb dazu auf, sich zu überlegen, was es mit ihnen machen würde, wenn sie die Wahrnehmung von Menschen von deren Geschlecht entkoppeln. Gender Studies können nach der Meinung von Hornscheidt dabei helfen, solche Normen wahrzunehmen, die „Vielschichtigkeit struktureller Gewalt zu verstehen“ und Veränderungen anzustoßen. „Wir brauchen die Debatte, um eine Welt zu gestalten, in der sich alle Menschen entfalten können, ohne dies auf Kosten anderer Menschen zu tun“, ist die Überzeugung von Lann Hornscheidt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Main-Post-Journalistin Andrea Czygan.

Links

Zum Genderforum der Universität Würzburg

Lann Hornscheidt

Margarethe Hochleitner

Kontakt

Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle, T 31-88055, dabauvalle@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Meilenstein auf dem Weg zur Barrierefreiheit

Kick-off-Meeting in Würzburg. Vorne rechts: Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, und Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler. (Foto: Gunnar Bartsch)

Der Forschungs- und Praxisverbund „Inklusive Hochschule und barrierefreies Bayern“ hat die Arbeit aufgenommen. Zum Auftakttreffen war reichlich Prominenz nach Würzburg gekommen.

Aktivitäten und Initiativen im Bereich „Inklusion“ gibt es in Bayern viele – auch und gerade an Hochschulen. Diese Prozesse, die durch einzelne Initiativen der Hochschulen angestoßen wurden, zusammen zu führen und wissenschaftlich zu begleiten, ist eines der Ziele, die der neue Forschungs- und Praxisverbund „Inklusive Hochschule und barrierefreies Bayern“  verfolgt.

Zusätzlich wollen die Verbundpartner die praxisorientierte Forschung ausbauen, neue Lehrformen entwickeln, Netzwerke bilden und Handlungsempfehlungen aussprechen. Die so gesetzten Impulse sollen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben weiter voranbringen, auch über Bayern hinaus.

Erstes Treffen mit zahlreichen Grußworten

Am Montag, 8. Mai, haben sich die Beteiligten zur Auftaktveranstaltung an der Universität Würzburg getroffen. Grußworte zum offiziellen Start sprachen Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Unipräsident Alfred Forchel und Dr. Olaf Hoos, Beauftragter der Universität Würzburg für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung.

2013 habe Ministerpräsident Horst Seehofer in seiner Regierungserklärung versprochen: „Bayern ist 2023 barrierefrei!“ Daran erinnerte Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler in seinem Grußwort. Dabei dürfe man allerdings nicht nur an behindertengerechte Gebäude denken: „Inklusion ist eine Herausforderung, die uns alle angeht! Dabei geht es um deutlich mehr als beispielsweise eine Rampe am Eingang – auch und gerade im Bereich der Hochschulen bedeutet Barrierefreiheit ein Vielfaches mehr“, sagte Sibler. Daher freue er sich sehr, dass sich mehrere Hochschulen gemeinsam das Ziel gesetzt haben, die Forschung dazu auszubauen, neue Lehrformen zu entwickeln und neue Netzwerke zu gründen.

Ein Projekt mit sechs Partnern

Sechs Partner arbeiten in dem neuen Forschungsverbund zusammen: Konzipiert wurde er von den Universitäten Würzburg und Bayreuth sowie der Technischen Hochschule Deggendorf und den Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Ansbach, Landshut und München. Die Koordination liegt bei der Uni Würzburg.

Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit einer halben Million Euro – was im Wesentlichen dem Würzburger Landtagsabgeordneten Oliver Jörg zu verdanken sei, so Sibler. Auf Jörgs Initiative hin habe die CSU-Fraktion das Geld zur Verfügung gestellt.

Auch Alfred Forchel dankte Jörg explizit in seinem Grußwort: „Ohne ihn säßen wir heute nicht hier“, so der Unipräsident. Das erste Treffen in Würzburg ist nach Forchels Worten „ein wichtiger Meilenstein für Bayern“ auf dem Weg zur Barrierefreiheit. Zwar seien bereits in der Vergangenheit zahlreiche Fortschritte auf diesem Weg erzielt worden, dennoch bedürfe es noch vieler weiterer Schritte bis das Ziel – barrierefreie Hochschulen und ein barrierefreies Bayern – erreicht sei.

Und so nutzte Forchel die Gelegenheit, Staatssekretär Sibler darum zu bitten, das Projekt zu verstetigen – sprich: den Landtag und die zuständigen Ministerien dazu zu bewegen, auch in den kommenden Jahren Geld für die weitere Arbeit der Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Damit sei er schon beschäftigt, gab Sibler zurück. Die Verhandlungen auf Verstetigung liefen bereits.

Dass eine „Hochschule für Alle“ nicht leicht zu verwirklichen sei, sagte Olaf Hoos, Beauftragter der Universität Würzburg für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung, in seinem kurzen Grußwort. Schließlich stünden Universitäten auch vor der Aufgabe, exzellente Leistungen in Forschung und Lehre zu ermöglichen – ein „schwieriger Spagat“, so der Sportwissenschaftler. Der Forschungsverbund wolle Wege aufzeigen, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

Zur Homepage des Forschungsverbunds

Pressemitteilung zur Einrichtung des Forschungsverbunds

Kontakt

Sandra Mölter, Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS), Universität Würzburg, T (0931) 31-82431, kis@uni-wuerzburg.de

Von Würzburg in die Welt

Eigentlich wollte Alumnus Johannes Obergfell seine Magisterarbeit über den Drogenkrieg in Mexiko schreiben. Aus Sicherheitsgründen ist er dann jedoch beim Thema „Migration“ gelandet. (Foto: privat)

Johannes Obergfell ist durch seine Magisterarbeit auf das Thema „Migration“ gestoßen. Heute arbeitet er beim Bundesamt für Migration (BAMF). Eine „verrauchte Höhle“ zählt zu den prägenden Erinnerungen seiner Studienzeit.

Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Dr. Johannes Obergfell an der Reihe. Obergfell ist Referent beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg. Er hat in Würzburg Politikwissenschaften, Wirtschaftsgeografie und europäische Ethnologie studiert.

Herr Dr. Obergfell, Sie haben sich schon lange vor der großen Flüchtlingswelle mit dem Thema Migration befasst. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen? Mein Auslandsjahr in Guadalajara in Mexiko 2007/2008 und die dort gewonnenen Eindrücke haben mich nachhaltig geprägt. Das Thema Migration ist dort omnipräsent. Es gibt kaum jemanden, der keine eigene Migrationserfahrung oder aber nahe Verwandte oder Freunde mit Migrationserfahrungen hat. Meine Magisterarbeit wollte ich ursprünglich jedoch zum Thema ‚Drogenkrieg‘ schreiben. Allerdings wurde mir aus Gründen der Sicherheit davon abgeraten, direkt vor Ort zu recherchieren. So entschloss ich mich, meine Magisterarbeit auf das naheliegende Thema ‚Migration‘ auszurichten.

Wie sind Sie das Thema angegangen? 2009 habe ich nochmals mehrere Monate in Mexiko verbracht und dabei Interviews geführt, unter anderem mit Vertretern der politischen Parteien. Mit Blick auf die politische Haltung der USA gegenüber Mexiko sowie Migration und Migranten aus Lateinamerika wirkt meine alte Magisterarbeit noch immer aktuell; viele der darin aufgeführten Punkte finden sich leider noch immer, oder wieder, auf der politischen Tagesordnung.

Und dann sind Sie dem Thema treu geblieben. Ja, meine Doktorarbeit habe ich zum Thema ‚Abwanderung von Deutschland in die Türkei‘ geschrieben. Viele junge, teils sehr gut qualifizierte Türkeistämmige verlassen Deutschland, weil sie sich hier nicht anerkannt fühlen, schlechtere Arbeitsperspektiven sehen und sich diskriminiert fühlen. Trotz dominierender Berichterstattung zum Thema ‚Zuwanderung‘ genießt die Abwanderung aus Deutschland Aktualität und Relevanz und sollte von uns nicht aus den Augen verloren werden.

Über Migration und Flucht wird derzeit intensiv diskutiert. Wie hat sich diese Diskussion Ihrer Meinung nach in den vergangenen Monaten verändert? Das Thema Migration, und hier insbesondere Fluchtmigration, beschäftigt die Menschen. Vor 2015 waren die Krisenregionen dieser Welt für viele weit weg. Spätestens seit Herbst 2015 hat sich die Lage geändert, als sich die Auswirkungen von Krieg, Hunger und Leid in Form von Migrationsbewegungen an deutschen Grenzübergängen manifestierten und nicht nur auf Griechenland und Italien beschränkten – was auch nicht wirklich weit weg war.

Inwiefern spielt das Thema auch in Ihrem Privatleben eine Rolle? Migration spielt für die meisten von uns, teils unbewusst, eine ganz zentrale und prägende Rolle. Ich selbst war als Bildungsmigrant in Mexiko und könnte als ökonomisch motivierter Binnenmigrant bezeichnet werden, da ich nicht aus Franken stamme. In meinem familiären und privaten Umfeld sind nationale sowie internationale Migrationserfahrungen alltäglich. Migration ist nichts abstraktes und nichts neues, sondern ein normaler Prozess, wahrscheinlich fast so alt wie die Menschheit selbst. Durch meine Arbeit im BAMF bin ich nah am Geschehen und erhalte einen anderen Einblick in viele Vorgänge. Dafür interessiert sich mein privates Umfeld.

Was sagen Sie, wenn Leute aus Ihrem Umkreis erklären, dass Sie Angst vor den vielen Flüchtlingen haben? Meist frage ich zunächst, ob die betreffenden Personen denn bereits viele Geflüchtete gesehen haben und mit wie vielen sie Kontakt hatten. In der Regel lautet die Antwort dann: ‚Weder noch‘. Oft handelt es sich um unbegründete Ängste, um Reaktionen auf Stereotype und aufgeschnappte Gerüchte, die ich zu klären versuche.

Und wenn Menschen nicht wollen, dass Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft leben? Keine zehn Meter von meiner Haustür entfernt sind Flüchtlingsfamilien untergebracht, und ich kann sagen, dass ich bislang keinerlei negative Erfahrungen mit den neuen Nachbarn gemacht habe. Über viele Dinge kann man bei Bedarf sprechen – auch Sprachbarrieren lassen sich überwinden; für viele Probleme lassen sich Lösungen finden, egal ob die Nachbarn aus Syrien oder Oberbayern stammen.

Trotzdem werden viele Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, bisweilen hart kritisiert. Ich halte weder etwas vom Begriff des ‚Gutmenschen‘ noch des ‚Wutbürgers‘, denn dort gibt es nur Schwarz und Weiß. Die Realität ist zum Glück bunter. Für Gewalt, Verbrechen und fehlenden Respekt gegenüber anderen habe ich kein Verständnis, da spielt für mich die Herkunft oder Staatsangehörigkeit keine Rolle. Hier sind Polizei und Justiz gefragt, beziehungsweise der Gesetzgeber, der die Polizei ordentlich auszustatten hat. Und natürlich wir alle, die wir gesittet miteinander umgehen sollten.

Das deutsche Asylrecht ist dem Einen zu idealistisch und naiv, dem Anderen hingegen zu restriktiv. Wie ist Ihre Meinung? Die Gewährung von Asyl birgt sicherlich Herausforderungen und stellt uns als Bürger und als Gesellschaft auf die Probe, doch die oft aufkommende Kosten-Nutzen-Rechnung halte ich für kritisch. Asyl ist in unserer Verfassung verankert, aus gutem Grunde. Ich rate zur Empathie, und frage im Gespräch oft: ‚Was würdest Du machen, wenn Deine Existenz in der Heimat durch Bomben zerstört wurde, Du Angehörige und Freunde verloren hättest, Du Deine Familie im Flüchtlingslager in Jordanien nicht mehr ernähren kannst, weil die Industriestaaten nicht gewillt sind, Dir, Deiner Frau und den kleinen Kindern einen Dollar pro Tag für Wasser und Nahrung zuzugestehen? Würdest Du im Kriegsgebiet bleiben und warten, bis die nächste Kugel Deine Tochter oder Dich trifft? Würdest Du im Flüchtlingslager warten, bis Deine Kinder verhungern? Wohin würdest Du gehen, dorthin wo Du als Rechtloser auf der Straße landest, oder nach Deutschland, wo Du ein Dach über dem Kopf bekommst, Deine Familie medizinisch versorgt wird und Du ein Teil der Gesellschaft werden kannst, auch weil Du Zugang zu Integrationskursen bekommst, in denen Du die deutsche Sprache lernen kannst?‘

Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Ich habe das Glück, in einem Bereich zu arbeiten, in dem die Arbeitstage selten identisch sind. Wir bereiten viele Termine für unsere Amtsleitung vor, halten Vorträge, werten amtsrelevante gesellschaftliche und politische Vorgänge aus, arbeiten im Grundsatzbereich auch konzeptionell. Man liest viel, man schreibt viel und man kommuniziert viel; eine gute Mischung, wie ich finde.

Was würden Sie Studierenden raten, die sich für eine Tätigkeit im BAMF interessieren? Informieren Sie sich genau über die vielen verschiedenen Arbeitsbereiche des Bundesamtes. In der öffentlichen Wahrnehmung sind wir oft ‚nur‘ das ‚Asylamt‘, was so nicht stimmt. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden sind wir eine große Behörde, die viele spannende Tätigkeitsfelder bietet, angefangen vom Asylbereich über den Integrationsbereich bis hin zu Forschung, Präventionsarbeit in Sachen Radikalisierung, Behörden-Digitalisierung, Pressearbeit und vielem mehr. Klicken Sie sich auf  www.bamf.de durch die Informationen und machen Sie sich durch einen Blick auf den Organisationsplan des Bundesamtes ein Bild von der Vielfalt der Tätigkeitsbereiche.

An welche Begebenheit aus Ihrer Studienzeit erinnern Sie sich besonders gerne? Der Moment, als ich meine Magisterarbeit in den Fakultätsbriefkasten steckte. Auch die Urkundenübergabe in der Residenz war sehr schön, ebenso wie die Teilnahme an dem Planspiel der Vereinten Nationen NMUN. Insgesamt hatte ich eine großartige Studienzeit in Würzburg, trotz des damals baufälligen Gebäudes am Wittelsbacherplatz, trotz überfüllter Räume auch am Hubland und zu weniger Dozenten. Als Magisterstudent hatte man die Freiheit und Zeit, als Gasthörer Interessantes aus anderen Fachbereichen mitzunehmen, das eigene Studium aktiv auszugestalten und das Studentenleben zu genießen. Sprechstunden in der verrauchten Höhle des leider viel zu früh verstorbenen Professors Christoph Daxelmüller waren ein Erlebnis, ebenso wie die Neapel-Exkursion mit ihm.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wissenschaftsrat empfiehlt neuen Forschungsbau

Das Zentrum für Philologie und Digitalität soll auf dem Campus Nord entstehen. (Foto: Gunnar Bartsch)

Die Pläne der Universität für ein „Zentrum für Philologie und Digitalität“ kommen weiter voran: Der Wissenschaftsrat hat das Neubauprojekt zur Realisierung empfohlen.

Das Forschungsbauprojekt „Zentrum für Philologie und Digitalität“ der Universität Würzburg hat vom Wissenschaftsrat heute (28. April 2017) eine Förderempfehlung erhalten.

Dazu Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle in einer Pressemitteilung: „Das neue Zentrum ist wissenschaftlich hochaktuell im Spannungsfeld von Geisteswissenschaften, Digital Humanities und Informatik angesiedelt. Es hat eine Neukonstituierung der Philologie im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung zum Ziel und belegt eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der Würzburger Forschung.“

15-Millionen-Gebäude auf dem Campus Nord

Der Forschungsneubau soll auf dem Campus Nord entstehen, gegenüber vom Neubau der Graduate Schools. Er ist mit einer Hauptnutzfläche von rund 2.760 Quadratmetern geplant, die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf rund 15 Millionen Euro.

Im Endausbau sollen dort rund 100 Personen arbeiten. Im Erdgeschoss werden ein Digitallabor und Vortragssäle eingerichtet, in den oberen Geschossen befinden sich Büro- und Besprechungsräume. Der Neubau bildet zudem den ersten Baustein für ein Geisteswissenschaftliches Zentrum auf dem Campus Hubland.

Weiterer Erfolg für die Universität

Lob für die Universität kommt von Minister Spaenle: „Zum dritten Mal in Folge ist es der Julius-Maximilians-Universität gelungen, im Forschungsbauverfahren eine Empfehlung des Wissenschaftsrats für einen Förderantrag zu erhalten, der in einem harten und nach strengen Kriterien durchgeführten Wettbewerbsverfahren geprüft wird.“

Nach dem Zentrum für Topologische Isolatoren (ITI, Physik – Förderphase 2016) und dem Institut für nachhaltige Chemie und Katalyse mit Bor als Schlüsselelement (ICB, Chemie – Förderphase 2017) sei es nun gelungen, auch im Bereich der Geisteswissenschaften (Förderphase 2018) eine Empfehlung zu erhalten.

Die abschließende Entscheidung über den Neubau fällt – auf Grundlage der Empfehlung des Wissenschaftsrates – die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Die Finanzierung des Forschungsbaus wird dann jeweils hälftig vom Freistaat Bayern und dem Bund übernommen.

Über den Wissenschaftsrat

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. Zur Website des Wissenschaftsrates: www.wissenschaftsrat.de

Tandem-Tage zu Pfingsten an der Uni

Schüler begleiten einen Studierenden - und erfahren aus erster Hand alles über das Fach, das sie interessiert: das ist das Prinzip der Tandem-Tage. (Foto: Olivia Samnick)

In den kommenden Pfingstferien finden im Zeitraum vom 7. bis 16. Juni die Tandem-Tage an der Universität Würzburg statt. Hier haben Studieninteressierte die Möglichkeit, Studierende im Alltag an der Uni zu begleiten.

Mit dem Tandem-Partner geht es zusammen in Vorlesungen und Seminare, mittags gemeinsam in die Mensa und überall dahin, wo man sich als Studierender der Uni Würzburg so aufhält. Es werden auch Gespräche mit Dozenten und Kommilitonen geführt.

Jede Frage bekommt eine Antwort – von einem Studierenden

So kann jede denkbare, vermeintlich spezielle oder abwegige Frage gestellt werden. Und die Antworten liefern Informationen aus erster Hand. Auf diese Weise bekommen Schüler sowohl einen tieferen Einblick in ein Studienfach, als auch in den Studienalltag eines Studierenden.

Die Schüler können im Vorfeld auf der Homepage der Zentralen Studienberatung aus einem Fächerpool ein Wunschfach und eine  Alternative wählen. Nach Anmeldeschluss wird den Interessenten ein Studierender zugeteilt und das Tagesprogramm und weitere Infos per E-Mail geschickt. Am Tandem-Tag selbst begleiten die Schüler einen Tag lang in kleinen Gruppen von zwei bis sechs Schülern einen Studierenden dieses Faches.

An diesem Tag besucht die Gruppe Veranstaltungen, die extra für den Tag ausgewählt wurden – in der Regel Veranstaltungen aus den ersten Semestern. Ergänzt wird der Tag um Besuche in der Mensa, der Universitätsbibliothek und weiteren Einrichtungen.

Anmeldung bis zum 7. Mai

Durchgeführt wird das Ganze von den Studierenden, die im Projekt uni@school der Studienberatung aktiv sind. Insgesamt finden voraussichtlich mehr als 40 Tandem-Einheiten statt. „In einigen Fächern, wie etwa Biologie, Chemie, Humanmedizin, Grundschul- und Gymnasiallehramt, Psychologie und Rechtswissenschaft aufgrund der großen Nachfrage sogar zwei oder drei Tage lang", sagt Koordinatorin Christine Zimara.

Die Anmeldung für die Tandem-Tage ist bis zum 7. Mai 2017 möglich:

http://go.uni-wuerzburg.de/tandem

Kontakt

Christine Zimara, T.: (0931) 80714, E-Mail: schulen@uni-wuerzburg.de

Empathie auf dem Prüfstand

In welcher Hand hält Thorsten Erle die Tasse? Die richtige Antwort erfordert einen Perspektivenwechsel, der wiederum in vielen Fällen Empathie erzeugt. (Foto: Uni Würzburg)

Wer es sich leicht vorstellen kann, die Umgebung durch die Augen eines anderen zu sehen, ist auch eher zu Empathie fähig. Das zeigen Experimente von Würzburger Sozialpsychologen.

Thorsten Erle nimmt eine Tasse und hält sie vor sich hin. „In welcher Hand habe ich sie?“ „Rechts!“ Stimmt genau. Um zur richtigen Antwort zu kommen, hat sich sein Gegenüber gedanklich in Erles Körper hineinversetzt, hat durch seine Augen gesehen und die rechte Hand Erles als die identifiziert, die die Tasse hält.

Diese Fähigkeit zur Perspektivenübernahme hat große Auswirkungen darauf, in welchem Maß ein Mensch auch die Gedanken einer anderen Person akzeptiert. Inwieweit er zur Empathie fähig ist, also zum „Mit-Fühlen“ mit anderen. Das hat Erle, Psychologe an der Universität Würzburg, zusammen mit Sascha Topolinski in einer Studie gezeigt.

„Buch-Banane-Test“ am Computer absolviert

Die Wissenschaftler ließen mehr als 1000 Menschen ein einfaches Experiment am Computer durchlaufen: Die Probanden sahen gegenüber von sich an einem runden Tisch eine Person sitzen, vor der eine Banane und ein Buch lagen. Gleich würde die Person auf dem Bildschirm eines der Objekte greifen, entweder die Banane oder das Buch.

Je nachdem, ob sie das mit der linken oder der rechten Hand tat, mussten die Testpersonen reagieren und ebenfalls mit der rechten oder der linken Hand eine Taste drücken. Es ging also darum, die visuelle Perspektive der Person zu übernehmen. Dabei waren die Probanden mal langsamer, mal schneller. Mal lagen sie richtig, manchmal falsch.

Diese Übung war aber nur der Auftakt zum Test. Im Anschluss erschienen auf dem Bildschirm Fragen, und die Person gab Antworten darauf. Beispiel: „Wann war Einstein das erste Mal in den USA?“ Darauf antwortete die unbekannte Person: „1939.“ Jetzt waren die Probanden an der Reihe. Manche siedelten Einsteins USA-Zeit (die dauerte von 1932 bis 1955) im 19. Jahrhundert an. Wieder andere waren sehr nah an der vom Computer präsentierten Antwort der Person.

Seite an Seite statt von Angesicht zu Angesicht

Die Situation änderte sich, wenn sich die Probanden vorher nicht in die Person auf dem Bildschirm hineinversetzen mussten. So gab es auch Versuchsrunden, in denen die Person den Betrachtern nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersaß, sondern sich auf derselben Seite des Tischs befand. Hier war also keine Perspektivenübernahme nötig.

Wieder wurde mitgeteilt, dass die Person entweder nach der Banane oder dem Buch greifen würde. Wieder musste die Taste für „rechts“ oder „links“ gedrückt werden. Neuerlich erschienen Fragen, etwa die: „Wie hoch ist der Kölner Dom?“ Aber diesmal fielen die Antworten drastisch anders aus: Sie waren viel weiter entfernt von dem, was die Person glaubte.

Empathie-Training als mögliche Anwendung

Aus diesen Befunden zieht Thorsten Erle den Schluss, dass die visuelle und die psychologische Übernahme einer fremden Perspektive zusammenhängen. „Wer sich rein visuell leichter in eine andere Person hineinversetzen kann, ist auch stärker zu Empathie fähig“, so der 31-jährige Sozialpsychologe.

Was der promovierte Wissenschaftler als nächstes herausfinden will? Ob es möglich ist, Mitgefühl zu trainieren – womöglich gewinnen ja Menschen, die viele Male den „Buch-Banane-Test“ durchlaufen, generell an empathischer Kompetenz. „Aber diese Anwendung in der Praxis bleibt vorerst noch Zukunftsmusik“, sagt Erle.

Mit seinen Forschungen liegt der Sozialpsychologe im Trend: Die Fähigkeit zu erleben, was ein anderer gerade fühlt, gilt als wichtige soziale Kompetenz. Vor allem Führungskräfte haben das Thema für sich entdeckt. In Seminaren versuchen sie, ihre empathischen Fähigkeiten trainieren, um bei Konflikten schneller zu Lösungen zu kommen.

“The grounded nature of psychological perspective-taking”. Erle, Thorsten M.; Topolinski, Sascha. Journal of Personality and Social Psychology, Vol 112(5), May 2017, 683-695. http://dx.doi.org/10.1037/pspa0000081

Kontakt

Dr. Thorsten Erle, Institut für Psychologie der Universität Würzburg, T +49 931 31-85955, thorsten.erle@psychologie.uni-wuerzburg.de

Quelle: Universtitaet Würzburg